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Madrid, ein Jahr danach...
Zwölf Monate nach dem verheerenden Crash in Madrid, der ihn beinahe das Leben kostete, kehrt Cameron Sinclair in die spanische Hauptstadt zurück, um die Vergangenheit zu bewältigen und in die Zukunft zu blicken. In einem Interview spricht der Australier über jenen verhängnisvollen Abend in Las Ventas, das schnelle Comeback und seine Double-Backflip-Pläne.
Du bist nun zum ersten Mal seit dem Unfall beim Stopp der Red Bull X-Fighters World Tour 2009 wieder in Madrid. Wie ist es eigentlich für Dich, nach so einem Crash hierher zurückzukehren?
Für die Red Bull X-Fighters ist der Stopp in Madrid immer etwas Besonderes, doch das Event hier in Madrid hat für mich dieses Jahr aus ganz anderen Gründen eine besondere Bedeutung. Nun ist der Unfall genau zwölf Monate her, doch ehrlich gesagt kann ich mich an fast gar nichts erinnern. Vor ein paar Wochen habe ich meine Verlobte Brooke gefragt, was denn eigentlich an dem Abend passiert ist. Ich selbst kann mich wirklich nicht daran erinnern. Als sie mir erzählte, wie der Unfall passiert ist, war das ganz schön schwierig für mich. Irgendwie freue ich mich, wieder hier zu sein. Es gibt momentan jede Menge Tricks, die ich leider einfach noch nicht machen kann. Es wäre ja ein völliger Blödsinn, wieder voll auf Risiko zu fahren und mich eventuell wieder zu verletzen.
Die Tage und Wochen unmittelbar nach deinem Unfall müssen für deine Familie und vor allem für deine Verlobte Brooke, die bei Dir in Madrid war, eine sehr schwere Zeit gewesen sein. Wie ist es eigentlich für sie, ein Jahr später hierher in die spanische Hauptstadt zurückzukehren?
Für sie ist es natürlich auch sehr schwer. Ehrlich gesagt wollte sie gar nicht hierherkommen, denn sie hat noch jede Menge schlechte Erinnerungen an Madrid. Deswegen habe ich sie vor ein paar Wochen gefragt, was genau an dem Abend passiert ist. Für sie war es schwer, in einem fremden Land zu sein, wo sie die Sprache nicht spricht. Letzten Endes ist das einfach etwas, womit auch sie – so wie ich – fertig werden muss. Ich habe ihr schon gesagt, dass beim nächsten Double-Backflip die Bedingungen viel sicherer sein werden, doch ich verstehe natürlich auch, dass sie sich sorgen macht.

Hat Cam sein Horrorerlebnis verdaut?
Du warst schon beim Auftaktevent der Red Bull X-Fighters World Tour 2010 in Mexico City/MEX am Start. Vor dem Bewerb hast Du aber selber damals zugegeben, dass Du so gut wie keine Chance auf den Sieg hattest. Nun sind noch ein paar Monate verstrichen – wie geht es dir?
Es wird immer besser. In Mexiko war es noch sehr früh, doch schon in Moskau fühlte ich mich stärker, und heute geht es mir viel besser als vor ein paar Monaten. Ich kann wirklich spüren, wie ich jede Woche stärker werde. Klar gibt es Momente, wenn man das Gefühl hat, es geht gar nichts weiter. Da will man manchmal alles hinschmeißen. Im Prinzip muss ich aber auf meine Ärzte horchen. Sie haben gesagt, es könnte zwischen 12 und 24 Monate dauern, bis ich wieder richtig fit bin. Dementsprechend hoffe ich, dass ich spätestens in einem Jahr wieder Vollgas geben kann.
Vor nur einem Jahr warst Du einer der absoluten Top-Stars der FMX-Szene. Ist es nicht sehr frustrierend, bei den größten Bewerben mit den anderen Jungs nicht mithalten zu können, weil der Körper einfach noch nicht soweit ist? Was sind Deine Ziele für diese Saison?
Mein Ziel ist es einfach, mein Bestes zu geben und keine Fehler zu machen. Ich glaube, dass meine Tricks jetzt schon für eine Top-5-Platzierung reichen könnten, doch mit dem Double-Backflip könnte ich wieder um den Sieg mitfahren. Momentan ist das aber kein Thema. Den Double-Backflip möchte ich ganz gern in London wieder zeigen, sonst spätestens in Rom. Mit Brooke habe ich bereits darüber gesprochen – sie ist schon ziemlich dagegen -, aber nach meinem Unfall hatte ich das Ziel, wieder einen großen Bewerb zu gewinnen. Momentan konzentriere ich mich auf die X-Games nächste Woche, aber danach werde ich schauen, was in London so alles möglich ist.
Du hast einen sehr schweren Unfall überlebt und bist recht schnell in die Szene zurückgekehrt. Macht so was auch einen FMX-Fahrer abergläubig?
Nein, nicht wirklich. Von solchen Sachen halte ich nicht viel. Es gibt schon einige Fahrer, die sich immer den einen oder anderen Handschuh zuerst anziehen oder so was, aber das ist nicht so mein Ding.
Cameron Sinclair kennt man neben seinen unglaublichen Tricks auch wegen seiner zahlreichen Tätowierungen. Kannst Du uns vielleicht erzählen, wie das alles angefangen hat und was manche bedeuten?
Freestyle Motocross ist ganz schön gefährlich, und wir gehen tagtäglich große Risiken ein. Deswegen waren die ersten vor allem als Erinnerungen an Kumpels gedacht, die beim Freestyle ums Leben gekommen sind. Mein Zimmerkollege hat sich zum Beispiel vor einem Jahr bei einem schweren Unfall das Genick gebrochen und ist sechs Monate später an den Folgen gestorben. Eine habe ich also ihm gewidmet. Es gibt schon noch andere, die eine besondere Bedeutung haben: Eine trägt das Wappen meiner Familie, und auf einer anderen gibt es noch zwei leere Stellen für die Namen meiner zukünftigen Kinder. Nach den ersten paar bin ich dann richtig süchtig geworden, und irgendwann war mehr oder weniger der ganze Arm voll mit Tätowierungen! Die ursprüngliche Idee dahinter war es aber, verstorbener Freunde zu gedenken. Am Handgelenk habe ich auch eine mit den Namen meiner Eltern – Ken und Julie.
Kommen in naher Zukunft noch welche dazu?
Irgendwie würde es mich schon reizen, den Rücken volltätowieren zu lassen! Das wäre doch total lässig. So könnte ich die Tätowierungen dann auch verstecken, wenn ich will. Wenn ich mir zum Bespiel nächste Woche bei den X-Games eine Medaille hole, lasse ich sicher was machen. Ich find es gut, auch große Errungenschaften zu feiern. Vom Event in Madrid letztes Jahr habe ich aber keine Tätowierung – daran will ich mich gar nicht erinnern.
2009 siegte Dany Torres hier in Madrid vor Heimpublikum. Wer zählt dieses Jahr zu den Favoriten?
Dany Torres ist ein wirklich toller Fahrer – gegen ihn zu gewinnen, ist immer und überall schwer. Auf Strecken mit vielen Schanzen oder sehr technischen Teilen hat er hin und wieder Probleme, aber in der Stierkampfarena ist er extrem stark – vor allem hier in Madrid! Ansonsten rechne ich schon mit Levi. Er ist auch ein toller Fahrer und momentan sehr gut unterwegs.


Text PR Global Newsroom.com
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