Rock-Asis mit Niveau

Dan Dryers - Wrestling in Tijuana

Normalerweise würden wir eine Band, die sich nach Handtrockner-Automaten benennt nicht unbedingt vorstellen. Auch nach dem musikalischen Aspekt gesehen, unterscheidet sich die Musik der "Dan Dryers" nicht zwingend von anderen gängigen Punkrock- und Rock'n'Roll-Combos. Trotzdem: Der Sechser hat einen ziemlich außergewöhnlichen Background, was sie wiederrum interessant macht. Denn alle Bandmitglieder stammen aus der Extremsport-Szene und mit FMX-Urgestein Busty Wolter als einer von zwei Gitarristen hat man auch gleich den passenden Übergang zum MFMX (Music for MX).

Dafür, dass einige Bandmitglieder ihre Instrumente erst vor kurzem und in Rekordtempo erlernten, hört sich der auf CD gepresste Erstling "Wrestling in Tijunana" gar nicht so schlecht an, was den Jungs bereits Auftritte im Vorprogramm von "Deichkind", "Wir sind Helden" und sogar den amerikanischen Punk-Heros von "NOFX" bescherten. Man gab also direkt vom Start weg Vollgas. Auch im Rahmenprogramm der Red Bull X-Fighters in Wuppertal durfte man aufspielen.

Zur Platte: Direkt nach Einlegen des Silberlings wird klar: Die Mucke soll Spaß bringen, denn genau danach hört sie sich auch an. Einfache Riffs kombiniert mit ziemlich simplen Texten geben die Marschrichtung vor. Textpassagen über fehlendes Klopapier, bis hin zu Liebeserklärungen an Motorenkonzepte sind zwar nicht sonderlich geistreich, aber für eine Stimmung auf der nächsten Party ist das allemal tauglich.

Der Charme der "Dan Dryers" kommt nach und nach rüber und man erwischt sich irgendwann dabei, dass man bereits mit dem Kopf im Takt mitnickt. Das ist ungefähr so, als wenn man sich auf einer Party vor dem ersten Bierchen ziert, man aber nach der fünften Flasche irgendwie Bock auf den ganzen Kasten bekommt. Auch auf den Live-Auftritten wird einem das bewusst, wenn man zunächst etwas irritiert vor den zum Teil sehr spärlich bekleideten Herren und ihren Wrestling-Masken steht, aber irgendwann der spaßige Funke unbemerkt übergesprungen ist.



Außergewöhnlich sind die "Dan Dryers" allemal, darum darf man in "Wrestling in Tijuana" ruhig mal reinhören.

 

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